Donnerstag, September 16, 2021
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„Der Reisemarkt wird zurückkommen“

Ist der Tourismus am Boden? Vorerst schon. Mittelfristig vielleicht. Langfristig definitiv nicht. Für das Jahr 2020 erwarten die Experten der UNWTO einen Rückgang der Zahl internationaler Touristen weltweit zwischen 58 und 78 Prozent. Auch 2021 und darüber hinaus wird die Situation schwierig bleiben und es fällt schwer, daran zu glauben, der Markt werde jemals wieder auf ein Vor-Corona-Niveau zurückkehren oder dies sogar übertreffen können. Aber lassen Sie uns einen kurzen Blick in die Geschichte werfen.

1950 gab es UNWTO-Angaben zufolge rund um den Globus 25 Millionen Ankünfte internationaler Reisender. 1990 waren es bereits 400 Millionen, 2005 schon 800 Millionen und 2019 sage und schreibe 1,5 Milliarden. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 1950 von 6.000 Prozent!

Die Entwicklung wurde befeuert durch die wachsende Weltbevölkerung und aufstrebende Marktwirtschaften, ist aber vor allem auf den menschlichen Drang zurückzuführen, die Welt zu entdecken. Was auch dazu beigetragen hat, dass die stark wachsende Zahl von Hotelzimmern von einer ebenfalls rasant steigenden Nachfrage nach Hotelübernachtungen gerechtfertigt werden konnte. Die Schattenseiten offenbaren sich unterdessen im „overtourism“ und all seinen negativen Folgen für die Umwelt.

Die Welt hat sich in der Corona-Krise bereits verändert und mit ihr die Reisegewohnheiten. Die technologische Entwicklung hat zusätzliche Schubraft bekommen, persönliche Treffen wurden im großen Stil durch Video-Konferenzen ersetzt. Und so mancher Mensch wird in Zukunft grundsätzlich weniger unterwegs sein. Zusammenschlüsse und Übernahmen von Firmen werden folgen, die Hotellerie und andere Branchen werden sich neu ausrichten müssen.

Die UNWTO hat vor der Pandemie einen Anstieg internationaler Ankünfte bis zum Jahr 2030 auf weltweit 1,8 Milliarden vorhergesagt. Ich denke, dass es so kommen wird, nur zwei bis fünf Jahre später. Gleichzeitig hoffe ich, dass sich das Reisen wandeln wird, dass die Welt „overtourism“ durch Regulierungen in den Griff bekommt, dass neue Gesetze zum Schutz unserer Umwelt gemacht werden und dass sich neue Sicherheitsvorschriften zum Schutz unserer Gesundheit etablieren. Wäre es nicht schön, wenn uns der technologische Fortschritt dabei hilft, klimafreundlich zu fliegen statt die Strände der Seychellen oder die Pyramiden in Ägypten durch Virtual-Reality-Brillen zu sehen? Wir sind Menschen. Das Reisen liegt in unserer Natur. Lasst uns das Leben mit Erfahrungen füllen in einer hoffentlich noch besseren Nach-Corona-Welt!     

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