Der Rotstift regiert – wird ESG jetzt zu teuer?

Der Rotstift regiert – wird ESG jetzt zu teuer?

Zu dieser Frage entwickelte sich bei der weltgrößten Tourismusmesse ITB Berlin eine lebhafte Diskussion mit ausgesuchten Experten aus Hospitality, Mobility und der Zulieferindustrie, moderiert von Prof. Dr. Sandra Rochnowski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR Berlin).

Menschen rund um den Globus sind angesprochen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Kein anderes Thema vereint die Erdenbürger in ihrem Schicksal gleichermaßen. Wenn wir es versäumen, rechtzeitig die Weichen zu stellen, dann werden wir die Konsequenzen dafür gemeinsam tragen müssen.  

Dennoch hat die Sache ihr Momentum im Laufe der vergangenen Jahre verloren. Politisch steht Nachhaltigkeit in vielen Ländern und bei zahlreichen Unternehmen längst nicht mehr so hoch im Kurs. Weil die Existenz etwa des Klimawandels einerseits schlichtweg geleugnet wird. Und weil einige Politiker versucht haben, das Thema quasi per Befehl unter das Volk zu bringen. Doch die „grüne“ Diktatur lief nicht nur ins Leere. Sie hat auch dazu geführt, dass sich viele Menschen abgewendet haben. Und die Unternehmen? Haben bewiesen, dass ihr Bekenntnis zum nachhaltigen Handeln nicht viel mehr war als wohlfeiles Geschwätz. Ausnahmen bestätigen die Regel. 

So ist es auch in der Hospitality. Wenn wir in den vergangenen Monaten mit Managern aus der Hotellerie, mit Investoren und Zulieferern gesprochen haben, dann war die Botschaft klar: Themen wie Wirtschaftlichkeit, Künstliche Intelligenz (KI), Rezession und die angespannte welt- beziehungsweise geopolitische Lage haben Nachhaltigkeit aus dem Fokus inzwischen verdrängt. Jetzt zeigt sich, wer seine Fahne in den Wind der Nachhaltigkeit gehängt hat, als es gesellschaftspolitisch opportun erschien. Und wer es mit dem Thema wirklich ernst meint. 

Eine ganze Reihe von Unternehmen führt mittlerweile Kostengründe für eine neue strategische Ausrichtung an, in der nachhaltiges Handeln einen Platz unter ferner liefen einnimmt. 

Eine Entwicklung, die wir in den Mittelpunkt der „Green Lobby“ auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin gestellt haben: „Der Rotstift regiert – wird ESG jetzt zu teuer?“, diese Frage stellte Key-Note-Speakerin und Moderatorin Prof. Dr. Sandra Rochnowski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) auf der ITB Lighthouse Stage ausgesuchten Experten aus Hospitality, Mobility und der Zulieferindustrie. Und die Panelisten ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie dem Thema Nachhaltigkeit trotz eines turbulenten Umfelds einen unvermindert hohen Stellenwert einräumen. Denn trotz Kostendiskussion, KI-Hype, Wirtschaftsflaute am Standort Deutschland und einer weltpolitischen Gemengelage, in der das Thema ESG (Environmental, Social, Governance) an Bedeutung verloren hat, ist offensichtlich: Das Erfordernis, nachhaltig zu wirtschaften, wird die Hospitality wie alle anderen Branchen auch in naher und ferner Zukunft begleiten. Es hat an Bedeutung keinesfalls eingebüßt, wird in einer zunehmend „lauten“ Welt mittlerweile lediglich überlagert von anderen dominanten Themen. Das ist auch solchen Unternehmen bewusst, die mit der Hotellerie ihr Business machen.      

Die Herausforderung besteht nunmehr darin, die „grüne“ Fahne hochzuhalten, während andere Themen das öffentliche Bewusstsein beherrschen und es ruhiger geworden ist um ESG und Nachhaltigkeit. Was auch die Panelisten auf der ITB Lighthouse Stage klarstellten, die erläuterten, wie sie den eingeschlagenen ESG-Weg unbeeindruckt von Störfeuern rund um den Globus weitergehen wollen, wo sie ihre nachhaltigen Schwerpunkte legen und wie sie in die Zukunft blicken. 

Dabei wurde auch deutlich, dass nachhaltiges Handeln in der Branche bereits größere Fortschritte gemacht hat, als es von außen womöglich scheint. Und dass sich Themen wie die CO2-Belastung der Atmosphäre angesichts der Aussagen des einen oder anderen Politikers auf der Weltbühne nicht einfach so in Luft auflösen.

Auf der Bühne der Green Lobby waren: