Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat ein Impulspapier zur technologischen Transformation der Gastwelt vorgelegt. Der Thinktank zeigt darin auf, wie Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft von Künstlicher Intelligenz (KI), Robotik und Digitalisierung profitieren können. Das Papier beinhaltet über 120 Ideen und Vorschläge – angefangen von einer neuen Chief-AI-Officer-Position in den Chefetagen größerer Unternehmen, über flächendeckende KI-Readiness-Checks, gemeinsame Datenstandards bis hin zu flächendeckenden digitalen Bezahlmöglichkeiten. Ein entsprechendes Expertengremium wird geleitet von Alexandra Wolframm und Salim Sahi. Wolfram: „Digitalisierung, KI und Robotik sind längst keine simplen IT-Projekte mehr, sondern strategische Führungsaufgabe. Wer diese nutzen will, muss das Thema ganz oben auf der Vorstands- oder Geschäftsführungsebene verankern, Verantwortlichkeiten klar zuordnen und den Wandel mitgestalten.“
Aus diesem Grund schlägt die DZG vor, in größeren Betrieben künftig eine Chief-AI-Officer-Position (CAIO) mit Vorstands- bzw. Geschäftsführungsrang zu schaffen. Ergänzt wird diese Idee durch einen flächendeckenden KI-Readiness-Check, der Betrieben zeigt, welche Anwendungen wirtschaftlich sinnvoll sind und wie eine Umsetzung aussehen kann. Essenziell sind zudem Standards für Angebote, Preise und Verfügbarkeiten sowie offene Schnittstellen zwischen den zentralen Betriebssystemen. Ergänzend regt das Papier automatisierte Personalplanung, KI-gestützte Gästekommunikation, ein digitales Nachhaltigkeits- und Energiemanagement sowie sichere Experimentierräume an, in denen Unternehmen neue Anwendungen risikoarm testen können. Hinzu kommen verbindliche Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, damit Beschäftigte von Anfang an transparent eingebunden werden.
Für die Hotellerie schlägt das Impulspapier unter anderem flächendeckende mobile Check-in-Prozesse und KI-gestütztes Revenue-Management vor. Foodservice und Gemeinschaftsverpflegung sollen von KI-basierter Produktionsplanung profitieren, die Lebensmittelverluste reduziert. Für Tourismus und Reisebüros geht es vor allem darum, touristische Angebote so aufzubereiten, dass sie in KI-gestützten Such- und Buchungssystemen sichtbar bleiben. Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen wiederum sollen Besucherströme künftig mit KI-gestütztem Crowd-Management smarter steuern, um Belastungsspitzen abzubauen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Gleichzeitig richten sich Vorschläge an die Bundespolitik: Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur inklusive verlässlicher Glasfaser- und Datennetze, einheitliche Datenstandards sowie Haftungs- und Transparenzregeln für den KI-Einsatz. Hinzu kommen eine gestärkte Datensouveränität der Betriebe, eine anwendungsorientierte Forschungsoffensive für Robotik und KI sowie erleichterte Investitionsbedingungen – etwa durch Sonderabschreibungen und einen vereinfachten Zugang zu staatlichen Fördermitteln. Hinzu kommen Förderprogramme, die aus Sicht der DZG oft zu kompliziert, zu langsam oder zu eng auf einzelne Anschaffungen zugeschnitten sind. Als Lösung bringt der Thinktank die Gründung einer eigenen „Gastwelt-Bank“ nach österreichischem Vorbild ins Gespräch: Eine neue, digital und zentral organisierte Förderbank mit kompetenten Ansprechpartnern und schnellen Entscheidungsprozessen.
Erarbeitet wurde das Paper von Alexandra Wolframm (Booking.com), Salim Sahi (Holologiox.AI), Carsten Bick (SBI Innovation Management), Felix Kraemer (JF-Hospitality), Michael Buller (VIR), Deniz Bayraktaroglu (Bounti), Michelle Schwefel (DFV), Eva Herrmann (The Hospitality Experience), Markus Grube (VielfaltMenü), Alexander Mirschel (Realizing Progress) und Dr. Marcel Klinge (DZG).
Das Impulspapier steht unter www.zukunft-gastwelt.de kostenfrei zum Download bereit.
Foto v.l.: Dr. Marcel Klinge, Alexandra Wolframm und Salim Sahi (Foto DZG)

