Sonntag, Oktober 17, 2021
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„Wir sind professionelle Netzwerker“

Frau Heuer, was hat Sie nach vielen Jahren in der Hotellerie dazu bewogen, vollständig auf die Verbandsseite zu wechseln?

Ich habe ja schon vor meiner jetzigen Aufgabe als Geschäftsführerin für die HSMA Deutschland neben meinem Job in der Hotellerie Erfahrungen in dem Verband als Fachvorstand Revenue Management und MICE gesammelt und dabei festgestellt, wie spannend die Arbeit hier ist. Die gesamte Branche zu unterstützen ist eine tolle und herausfordernde Aufgabe. Deshalb fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

Sie hätten sich zum Start wohl kein schwierigeres Umfeld vorstellen können als die Pandemie, oder?

Der Start Mitte April 2020, im ersten Lockdown, hätte angenehmer ausfallen können. Ich hatte in Anbetracht der schwierigen Umstände zugegebenermaßen große Bedenken, habe mich gefragt, wie es mit dem Verband und unserer Branche wohl weitergeht. Diese Sorge hat mich aber nicht gelähmt, sondern im Gegenteil eher in die Offensive getrieben. Wir haben dann schnell eine neue Strategie für die Krise festgelegt, darauf gebaut, dass Netzwerken und die Vermittlung von Wissen bis zu einem gewissen Grad auch digital funktionieren. Aus diesen Überlegungen entstanden die Online Barcamps, die auch aufgrund der Tatsache, dass sich die Mehrheit der Mitarbeiter in Kurzarbeit befand und mehr Zeit als üblich hatte, von der ersten Stunden an funktioniert haben. Mehr noch: Die Teilnehmerzahlen gingen geradezu durch die Decke. Dennoch bleibt es unser Ziel, die Menschen schon bald wieder auf Präsenzveranstaltungen zusammenzubringen.

Welche Themen standen für Sie in dieser Zeit im Vordergrund?

Sowohl viele Fragen rund um das Revenue Management und Pricing, das Erschließen neuer Umsatzquellen als auch Themen wie Human Resources und daraus abgeleitet das Employer Branding. Schließlich ist es gerade in der Pandemie ein riesiges Problem für die Hoteliers, Mitarbeiter zu halten, neues Personal zu rekrutieren und trotz belastender Umstände ein gutes Betriebsklima aufrecht zu erhalten. Im Grunde haben wir immer versucht, auf die Fragen und Nöte unserer Mitglieder spontan zu reagieren.

Wenn viele Mitarbeiter in andere Branchen abwandern: Wie lässt sich dann garantieren, noch genug Fachwissen im Betrieb zu behalten?

Das ist dank zumeist guter Schulungsmöglichkeiten nicht das größte Problem, wobei einige Aufgaben in der Hotellerie durchaus mehr Fachwissen voraussetzen als es womöglich den Anschein macht. Viele Mitarbeiter arbeiten bereits viel mehr systembasiert als mancher denkt, die Effizienz steigt also. Allerdings glaube ich nicht daran, dass sich Personal durch mehr Einsatz von Technik einsparen lässt. Gäste erwarten persönliche Ansprache, wofür die Mitarbeiter durch den Einsatz von Systemen und Technik endlich wieder mehr Raum bekommen. Es sei denn, das Business-Modell des Hotels basiert komplett auf Digitalisierung. Dann wissen die Gäste, was sie erwartet und wollen es sogar genauso.

Ist die Digitalisierung angesichts eines enormen personellen Aderlasses die Rettung für die Branche?

Nein. Die Hotellerie ist ein People Business. Wir haben zwar inzwischen mehr Kapazität für Systeme. Mitarbeiter fallen der Rationalisierung deshalb aber nicht zum Opfer.

Was haben Sie von der HSMA Deutschland sich für die kommenden Jahre vorgenommen?

Unter anderem, wieder Live-Events zu veranstalten. Wir sind professionelle Netzwerker. In der Pandemie ist es uns aber nicht gelungen, ein Tool zu etablieren, das den persönlichen Austausch vollständig ersetzt – weil es das vermutlich auch gar nicht gibt. Dafür ist die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht zu komplex, eindrucksvoll und emotional, lässt sich nicht entsprechend digitalisieren. Für das Vermitteln von Wissen hingegen sind digitale Tools sehr hilf- und erfolgreich. Wir erreichen auf diese Weise hohe Teilnehmerzahlen. Deshalb werden wir an einer Kombination aus digitalen, hybriden und Live-Events festhalten.

 

Anna Heuer

… ist seit 2020 Verbandsgeschäftsführerin der HSMA Deutschland e.V. Zuvor war sie für Sales und Revenue Management der Upstalsboom Hotels zuständig. Auch für das hotel nikko düsseldorf war die 36-Jährige bereits aktiv. Aufgewachsen ist Anna Heuer auf der Ferieninsel Norderney. Leidenschaft für den Tourismus wurde ihr damit förmlich in die Wiege gelegt.

 

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