„Es geht nicht mehr um den perfekten RevPAR, sondern um die Profitmarge“

„Es geht nicht mehr um den perfekten RevPAR, sondern um die Profitmarge“

Oliver Meyer (Foto) ist Gründer & CEO von HotelPartner Revenue & Profit Management. Im Interview spricht er über geopolitsche Konflikte und ihre Folgen für die Hospitality, Eindrücke von der weltgrößten Tourismusmesse ITB, steigende Kosten und mögliche Antworten darauf.   

Herr Meyer, wie blickt die Hotellerie angesichts zunehmender geopolitischer Unruhen in die Zukunft?

Die Lage ist angespannt und komplex. Erste Auswirkungen sind bereits sichtbar: Einschränkungen im Flugverkehr betreffen besonders Märkte aus dem arabischen und asiatischen Raum und wirken sich indirekt auch auf Fernmärkte wie die USA und Australien aus. Gleichzeitig geht die Reisetätigkeit aus einzelnen Märkten zurück, zunehmend auch aus den USA. Neben operativen Faktoren spielt hier vor allem Unsicherheit eine Rolle.

Die Effekte sind regional unterschiedlich. International geprägte Märkte wie die Schweiz spüren diese Entwicklungen früher und stärker, während Deutschland und Österreich durch ihren höheren Anteil an Gästen aus dem deutschsprachigen Raum etwas stabiler bleiben.

Gleichzeitig steigt der Kostendruck deutlich. Geopolitische Spannungen treiben Energiepreise und damit die Inflation weiter an. Eine mögliche Antwort darauf ist die verstärkte Fokussierung auf den Binnenmarkt, was allerdings angepasste Vertriebs- und Marketingstrategien erfordert. Gleichzeitig gerät der Corporate-Bereich unter Druck, da Unternehmen Reisebudgets reduzieren.

Inwieweit waren diese Themen bereits auf der ITB spürbar?

Die geopolitische Lage war zum Zeitpunkt der ITB in Berlin noch sehr neu, erste Auswirkungen waren aber schon sichtbar. Dominierend war jedoch ein anderes Thema: der strukturelle Kostendruck. In Gesprächen mit Betreibern und Investoren zeigte sich ein einheitliches Bild: Die Kosten sind in nahezu allen Bereichen deutlich gestiegen. Personalaufwendungen liegen vielfach erheblich über dem Niveau vor der Pandemie,teilweise bis zu 50 Prozent. Auch Energie, Einkauf, Bau sowie Finanzierungsbedingungen haben sich spürbar verteuert. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Investitionsbedarfe. Dem gegenüber steht eine nachlassende Nachfrage. Nach den starken Jahren 2023 und 2024 bewegen sich viele Märkte inzwischen auf einem stabilen Niveau ohne weiteres Wachstum. Steigende Kosten treffen damit auf stagnierende Umsatzzahlen.

Wie kann die Hotellerie dieser Entwicklung begegnen?

Der zentrale Hebel liegt in der Effizienz, die ohne konsequente Digitalisierung und Automatisierung künftig kaum noch realisierbar sein wird. Es geht um optimierte Prozesse  entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Vor dem Hintergrund steigender Personalkosten und Fachkräftemangel wird Automatisierung zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit. Für viele Betriebe ist sie eine Voraussetzung, um wirtschaftlich bestehen zu können. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus Technologie, Prozessen und betriebswirtschaftlichem Verständnis.

Werden Hotels steigende Kosten künftig über höhere Preise weitergeben können?

Nur noch eingeschränkt. In den Jahren 2023 und 2024 konnte die Branche Preissteigerungen durchsetzen. Diese Phase ist vorbei. Die Nachfrage wächst nicht weiter, gleichzeitig steigt die Preissensibilität und die Kaufkraft sinkt. Auch die geopolitische Lage wirkt dämpfend auf die Reisebereitschaft. Hinzu kommt ein wachsendes Angebot durch neue Hotelprojekte und alternative Unterkunftsformen. Viele Betriebe stehen damit vor der Situation, dass steigende Kosten nicht mehr durch den Markt aufgefangen werden können. Der Fokus verschiebt sich von Umsatz- zu Ergebnisoptimierung.

Wie wirkt sich die Lage auf die einzelnen Segmente aus?

Die Luxushotellerie ist grundsätzlich stabiler, aber stark von internationalen Gästeströmen abhängig. Genau hier liegt aktuell die Herausforderung, da wichtige Quellmärkte teilweise eingeschränkt sind. Im mittleren Segment zeigen sich die größten Herausforderungen. Hier treffen steigende Kosten, hohe Preissensibilität und intensiver Wettbewerb besonders stark aufeinander. Gleichzeitig zeigt sich eine Polarisierung der Nachfrage: Ein Teil der Gäste weicht in günstigere Segmente aus, während andere seltener reisen, dafür aber bewusst höhere Budgets im Premium- oder Luxussegment einsetzen.

Ihr Fazit?

Die Branche steht vor einer strukturellen Verschiebung. Wachstum ist nicht mehr selbstverständlich. Erfolg wird künftig weniger über Auslastung und Preise definiert, sondern über die Fähigkeit, ein wirtschaftlich stabiles und resilient aufgestelltes Geschäftsmodell zu führen. Oder anders formuliert: Es geht nicht mehr nur um den perfekten RevPAR, sondern um die Profitmarge.

HotelPartner …

… ist ein europaweit agierender Revenue-Management- und Profit-Dienstleister für die Hotellerie mit Hauptsitz in Schindellegi. Das 2006 in der Schweiz gegründete Unternehmen setzt auf ein innovatives Zusammenspiel aus qualifiziertem Team, bewährter Expertise und den Einsatz selbst entwickelter, zukunftsweisender Technologie. Das Unternehmen unterstützt Beherbergungsbetriebe bei der Umsatzsteigerung und Kostensenkung. HotelPartner Revenue & Profit Management beschäftigt rund 70 Expertinnen und Experten aus Hotellerie, Revenue- & Yield Management, Content Management, Distribution, Technologie und Entwicklung. Mit Büros in Lausanne, Bern, Wien, Salzburg, Hamburg und London werden derzeit rund 500 Partnerhotels betreut. www.hotelpartner.com