Luxus auf dem Prüfstand 

Luxus auf dem Prüfstand 

Vom Journalisten und Hotel-Tester Jens Rosenbaum
Foto: Zimmer im Burghotel

Kastens Hotel LuisenhofSchlosshotel MünchhausenAlthoff Hotel FürstenhofHardenberg BurghotelHotel Landhaus Wachtelhof
OrtHannoverAerzenCelleNörten-Hardenberg*Rotenburg
KlassifizierungFünf-Sterne-SuperiorFünf-Sterne-SuperiorFünf-SterneFünf-SterneFünf-Sterne-Superior
Anzahl Zimmer14667624238
Anzahl Zimmerkategorien1259107
Vergleichsraten**169 Euro257 Euro183 Euro189 Euro164 Euro

*zum Zeitpunkt des Tests, aktuell Vier-Sterne-Superior

**Stichtagsermittlung via Booking.com für eine Übernachtung vom 06. auf den 7. Oktober 2025 für eine Person im Doppelzimmer, jeweils günstigste Einstiegsrate

Die Kandidaten

Nach dem Vergleichstest „One-Prize-all-Inn“ in der Februarausgabe der Cost & Logis, der vier Budget-Konzepte gegenüberstellte, lag es nahe, auch einmal Fünf-Sterne-Hotels einem Vergleich zu unterziehen. Zu prüfen, wie Leistungsversprechen und tatsächliche Leistung im Einklang stehen. Wie bei Budget dient auch hier der Großraum Hannover als Reagenzglas im Rahmen der Versuchsanordnung. Großraum deshalb, weil Hannover selbst nur ein einziges Fünf-Sterne-Hotel vorzuweisen hat, das Kastens Hotel Luisenhof. Aktuell bieten bundesweit 115 Hotels eine nach hotelstars.eu klassifizierte Fünf-Sterne-Leistung an, doch obwohl Hannover als Stadt über fünfhunderttausend Einwohner zählt, die Region über eine Million und das wirtschaftliche Einzugsgebiet sogar noch deutlich größer ist, muss man im Kern von Niedersachsen trotz vieler internationaler Messen große Kreise ziehen, um überhaupt Hotels für einen Vergleich zu finden. So wurde mit dem Zirkel ein Radius von hundert Kilometer auf der Karte gezogen, womit die Vergleichsgruppe vom Norden beginnend mit dem Hotel Landhaus Wachtelhof in Rotenburg startet, über den Althoff Fürstenhof in Celle und das Schloßhotel Münchhausen in Aerzen und bis zum Hardenberg Burghotel in Nörten-Hardenberg im Süden reicht. 

Die Vergleichbarkeit

Lassen sich Fünf-Sterne-Hotels also überhaupt vergleichen? Oder sind sie nicht viel zu unterschiedlich und räumlich zu weit voneinander entfernt? Die Budget-Häuser in Hannover liegen zum Teil in Sichtweite beieinander und bieten klar definierte Leistung – ein Zimmer für eine Nacht. Im Luxussegment hingegen sollen Hotels in unterschiedlichen Städten mit bis zu zwölf Zimmerkategorien pro Haus verglichen werden? Das jeweilige Zimmerangebot ist eingebettet in ein Gesamtangebot, das aber sehr unterschiedlich ist, den Möglichkeiten sowie Nachfragen vor Ort angepasst. Da reicht der weite Bogen von den üblichen Tagungen und Konferenzen über Fine Dining und Sterneküche, Spa und Wellness, bis hin zu Pferd, Golf und Jagd, womit noch nicht einmal alles aufgezählt sein wird. All das prägt ein Haus und erschwert den Vergleich. Aber: Im Kern bleiben auch hier Zimmer, Bett, Bad, Hygiene und Service als das Maß der Dinge – Nucleus einer jedweden Hotelleistung. 

Bei diesem Vergleich wurde auch untersucht, wie sich die Hotels preislich am Markt positionieren. Hierfür wurden für einen Stichtag die Raten ermittelt, die sowohl bei einer Direktbuchung als auch bei der Buchung via Booking.com aufgerufen wurden. Neben der Spanne 4-18 Prozent Nachlass für die Direktbuchung fällt auf, dass sich die Preise fast aller Anbieter nahe an denen von Vier-Sterne-Hotels bewegen. Lediglich das Schloßhotel ragt mutig heraus. Sollte Luxus nicht auch im Preis sichtbar werden? Dafür wurde an zwei anderen Orten ebenfalls nach den Preisen geschaut. Booking macht es einem einfach. Sicher: Es ist unfair, Teile von Niedersachsen mit Berlin oder Düsseldorf zu vergleichen. Aber Raten von 800 Euro im SO/Berlin das Stue oder gar 1.864 Euro im Breidenbacher Hof in Düsseldorf zeigen, dass Luft nach oben vorhanden ist.

HotelBooking.comDirektbuchungNachlass bei Direktbuchung
Luisenhof169,00139,0018%
Schlosshotel 257,00229,5011%
Fürstenhof183,00175,004%
Burghotel189,00179,005%
Wachtelhof164,00134,0018%
Motel One, Hannover120,00  
SO/Berlin Das Stue808,00  
Breidenbacher Hof, Düsseldorf1.864,00  

Preisvergleich bei Buchung in Euro für Übernachtung 6./7. Oktober, 1 Person, DZ

Mit dieser Ausgangsbasis wurden die Tests, die zu verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt wurden, in einem Vergleich zusammengezogen. Es wurde darauf geachtet, stets ein Angebot aus der Mitte der jeweiligen Möglichkeiten der Zimmerprodukte zu wählen, sofern verfügbar, also weder das günstigste noch das teuerste. Wie immer wurde auch bei diesen Tests direkt gebucht und die Hotels wurden vorab nicht über den Test informiert.

Das Ergebnis

Zimmer

Das klassische Stadthotel Luisenhof ist organisch gewachsen, was sich über die Flure und Etagen widerspiegelt. Es wird viel Aufwand betrieben, einen optimalen Zustand zu erhalten und dem Gast eine zeitgemäße Unterbringung zu ermöglichen, was auch gelingt. Hat man sein Zimmer gefunden, werden die Erwartungen voll erfüllt und es präsentiert sich ein klassisches Angebot, eines Grand Hotels würdig. Das Schloßhotel im Weserbergland weiss mit seinem Gebäude-Ensemble aus dem 16. Jahrhundert samt Schloßpark und Deckenhöhen von über dreimeterfünfzig zu glänzen und zu werben. Aber es wird keinesfalls übertrieben, wenn es sich selbst als „eines der besten Schlosshotels Deutschlands“ bezeichnet. Dieser Anspruch wird auch im Zimmerprodukt gehalten und liegt gar über der Erwartung. Das Burghotel präsentiert sich als historisches Gebäude, das aber aufgrund der Anordnung unscheinbar daherkommt und dezent auftritt. Überraschend moderne Zimmer im Landhausstil bieten mehr, als versprochen wird. Zudem punktet das Haus mit Nachhaltigkeit: Eine Broschüre auf dem Zimmer informiert über alle Anstrengungen des zur FREIgeist-Gruppe gehörenden Hotels, nachhaltiger zu werden. Das ist vorbildlich. Der Wachtelhof aus den 1990ern ist in dieser Gruppe das jüngste Mitglied, weist aber vom Stil das älteste Zimmerprodukt betreffend Testzimmer auf. Da hier das Design aber nicht gewertet wird und nur ein Zimmer getestet wurde, ist dies zunächst kein Nachteil, kann aber mal einer werden. Denn Investitionsstau ist ja auch ein Kriterium. Alle bislang Genannten erfüllen vollumfänglich die Erwartungen und geforderten Standards oder gehen darüber hinaus. Dass im Schloßhotel keine Kaffeemaschine auf dem Zimmer geboten wird, liegt an Brandschutzauflagen. Wer dennoch einen Kaffee wünscht, wird ihn dort rund um die Uhr auch bekommen. Der Fürstenhof stellt, quasi im Zentrum von Celle, ebenfalls ein Ensemble dar, in dem der Hotelbau aus den siebziger Jahren über einen Gang mit dem historischen Palais verbunden ist. Das Zimmerprodukt selbst ist aus 2015 und sowohl das Zimmer, aber auch der Weg dorthin weisen leider keinen zufriedenstellenden Erhaltungszustand auf. Da ist sicher mit Liebe und Hingabe gepflegt worden. Aber bröckelnder Beton, ein abgenutzter Türgriff und Nutzungsspuren an den Wänden im Zimmer sowie deutliche Flecken auf dem Teppich trüben das Bild. Eine fehlende Vollverdunkelung verkürzt die Nachtruhe ebenso wie eine nicht ausreichende Schallisolierung: Morgens um sechs Uhr wird der Gast Ohrenzeuge von Toilettenspülung und Dusche aus dem Nachbarzimmer. Und das, obwohl Schallisolierung extra beworben wird.

Bett

Die Betten in allen Hotels bieten soliden Schlafkomfort – mal mit, mal ohne Topper. Hingucker sind dabei, aber unabhängig vom Preis der eingesetzten Marken und Produkte findet sich nichts Spektakuläres. Nach oben setzt sich hier keiner ab. Der Fürstenhof wartet als einziger mit vier Kissen auf, was Eindruck, aber auch Arbeit macht. Leider bietet der Fürstenhof beim extra bestellten Nackenstützkissen ein Produkt von IKEA, das um die 15 Euro brutto kostet. Was nicht unbedingt von Wertschätzung gegenüber dem Gast zeugt, der bei fünf Sternen keinen schwedischen Möbeldiscounter erwartet, auch nicht bei den Kissen. Auch bewirbt der Fürstenhof extra „Gesundheitsmatratzen“. Nun ist der Begriff „Gesundheit“ nicht explizit geschützt, doch werden damit Erwartungen geweckt, die dann ein Standardprodukt eines Massenherstellers mit vier Buchstaben so nicht erfüllt. Zudem hatte die Matratze eine beginnende Kuhle, was aber nicht an der noch recht neuen Matratze lag, sondern eventuell an der Unterfederung darunter, die mutmaßlich aus 2015 stammt, als das Zimmerprodukt der Öffentlichkeit neu vorgestellt wurde. Dass keines der fünf Hotels die neuen Vorgaben und Empfehlungen des Kriterienkataloges beim Bett erfüllt, liegt auf der Hand, denn Matratzen werden ja nicht jedes Jahr neu gekauft. Ein Beispiel: Keine Matratze hatte einen abnehmbaren und waschbaren Matratzenbezug noch einen waschbaren Matratzenkern, wie es jetzt auch die DEHOGA als neuen Hygienestandard definiert. Da sollte bei Gelegenheit nachgebessert werden. Auch bei der Nachhaltigkeit ist bei allen Häusern Spielraum, zumal jüngst das Handelsblatt herausgefunden hat, dass zirkuläre Hotelmatratzen schon länger im Markt verfügbar sind.

Bad

Luisenhof und Schloßhotel bieten wie der Wachtelhof eine auskömmliche Einrichtung. Beim Wachtelhof spiegelt sich das Zimmerprodukt im Bad wider und könnte etwas Auffrischung vertragen. Eine Schippe drauf legt das Burghotel, wo das Bad schon eher Erlebnis bietet. Der Fürstenhof stellt seinem Gast räumlich und technisch schon eher ein zeitgemäßes Produkt zur Verfügung. Aber auch hier wird die Latte der Erwartung gerissen, wenn vom Halter des Toilettenpapieres nur die leere Rolle grüßt. Obwohl auch Toilettenpapier in der Auflistung der Leistungen, zum Beispiel bei Booking.com, beworben wird. Auch die Kosmetiktücher glänzten durch völlige Abwesenheit, wenn man von dem einen Tuch absieht, das verloren aus der gähnenden Öffnung lugte. Und auch verschlissene Frottierware ist dem Gefühl, in einem Fünf-Sterne-Hotel zu logieren, eher abträglich, ebenso wie sichtbare Kalkablagerung an den Wasserhähnen.

Hygiene

Hygiene ist kein nice to have, sondern ein must have, auch ohne Kriterienkatalog. Da gibt es auch keine Toleranz zwischen null und fünf Sternen. Bis auf den Fürstenhof meistern hier alle diese Pflichtaufgabe bravourös – mit deutlich besseren Werten als im Hygiene-Durchschnitt. Der Luisenhof hatte hierfür sogar bereits einmal den CLEAN-SLEEPING-AWARD bekommen, da er mit Werten beim Bett sogar deutlich unter 1.000 KbE lag. Erwartet werden beim Zimmerprodukt und beim Bett Werte unter 2.000 KbE auf Basis gewichteter Durchschnittswerte als Beleg für eine gute bis sehr gute Hygieneleistung. Und das Burghotel schaffte diese Anforderung zum Beispiel sogar trotz Haustieren (bei diesem Test waren zwei Hunde zugegen). Dieses Hotel hat also mit Hundebesitzern, aber auch mit Reitern und Jägern durchaus eine Gästestruktur mit erhöhtem Schmutzaufkommen zu bewältigen – und bewältigt es. Der Fürstenhof hingegen landet mit einem Wert von über 4.000 KbE beim Bett nur in der Hygieneklasse vier von fünf und beim Zimmer (umfasst zum Beispiel Böden, Dusche, Toilettenbrille, aber auch Kaffeemaschine, Tassen oder Fernbedienung) ist da keine Aussage möglich. Denn die Skala des Messgerätes wurde beim Teppich überschritten. Aber auch ohne die Hygiene der Böden zu berücksichtigen, liegen die Werte beim Fürstenhof jenseits des vertretbaren. Dazu tragen etwa eine mangelhaft gereinigte Toilettenbrille, die Zahnpasta der Vorgänger an den Hebeln der Mischbatterie im Bad, eine gefühlt noch nie korrekt gereinigte Kaffeemaschine und Fernbedienung bei. Die Liste ist einfach zu lang, um hier von einem Ausreißer zu sprechen. Ein solcher ist grundsätzlich jedem gestattet, denn überall arbeiten Menschen und damit sind Fehler auch in gewisser Weise programmiert. Aber hier war selbst der Seifenspender indiskutabel. 

Service

Die Räumlichkeit des Burghotels begünstigt eine intensive Nähe zum Gast, speziell in der Lobby samt Kamin, wo mit Charme und Können jede Regung der Gäste verfolgt und Wünsche erfüllt werden. Ebenso agieren Luisenhof und Schloßhotel, wo aufgrund des Personalschlüssels noch ganz andere Möglichkeiten bestehen, aber auch genutzt werden. Der Wachtelhof wirkte personell etwas zu dünn aufgestellt, schaffte aber trotz der einen oder anderen Wartezeit grundsätzlich die notwendige Leistung. Der Fürstenhof fällt leider auch hier zurück. Nun soll es ihm nicht angelastet werden, dass beim Check-in der Rezeption unbekannt war, dass die Meldepflicht in Beherbergungsstätten gem. § 29 – 30 Bundesmeldegesetz (BMG) seit Januar 2025 abgeschafft ist, denn Tests in drei der fünf Hotels fanden vor 2025 statt. Doch es ergibt sich ein Bild, wenn der Gast aufklären muss. Auch wurde bei Abreise schon mal ein Hinweis auf die Kaffeemaschine gegeben und deren Ruf nach Reinigung. Doch wenn dann nicht nachgefasst wird, ob noch etwas nicht den Vorstellungen des Gastes entspricht, dann fehlt hier etwas. 

Die Kritik

Einem Schloßhotel Münchhausen kann man optisch nicht das Wasser reichen, wenn man allein dessen Innenhof mit dem vom Hotels Kastens Luisenhof vergleichen wollte. Aber darauf kommt es hier nicht an. Dieses opulente Schloß, in seinem tadellosen Zustand, braucht dies aber auch, um im Weserbergland, fern von allem und dennoch nicht in einer klassischem Urlaubsregion, seine Gäste zu bekommen. Hier wird Hotellerie auf höchstem Niveau betrieben und in einigen Bereichen über den Erwartungen. Dies leistet auch der Luisenhof, der mit den Vorteilen seiner Lage, da fallen die Gäste zwischen Bahnhof und Oper in der Theorie allein in das Hotel, auch mit dessen Nachteilen leben muss, wenn man zum Beispiel seinen grauen Innenhof mit Nachbargebäuden zu teilen hat. Aber einmal eingetreten, entschwindet man dem hektischen Draußen und taucht ein in die Welt eines Grand Hotels. Allerdings operiert der Luisenhof gefährlich nah am Motel One, dessen Preis ja auch abgefragt wurde – und das in Sichtweite liegt. Das mag einer temporären Taktik geschuldet sein, aber trägt die Strategie dahinter, wenn da nur 19 Euro Abstand sind? Beim Hotel Landhaus Wachtelhof werden die Pflichtaufgaben erfüllt, doch könnte das „Superior“ etwas mehr Leben vertragen, um einem „dynamischen Markt“ gerecht zu bleiben. Das Althoff Hotel Fürstenhof hingegen ist eine Enttäuschung. Dabei wäre das Potenzial vorhanden und zu seinen besten Zeiten hat das Haus auch zu Recht und verdient die fünf Sterne getragen. Doch nun bräuchte es vor allem Entschlossenheit, Willen und Investitionen, um auf diesen Pfad zurückzukehren, was diesem schönen Haus auch wirklich zu wünschen ist. Diese Erkenntnis ist wohl vorhanden, wie vom seit wenigen Wochen neu im Amt befindlichen General Manager zu erfahren war, der, wie alle anderen Hotels auch, um eine Stellungnahme gebeten worden war. So gibt es dort nun einen Masterplan zur künftigen Renovierung. Dazu sollte auch ein kritisches Gespräch mit der Fremdfirma gehören, die für die Reinigung der Zimmer verantwortlich ist. Geheimer Gewinner und quasi außer Konkurrenz dieses Vergleichstest ist der Underdog, das Hardenberg Burghotel. Es war nicht zu erfahren, warum der fünfte Stern verlustig ging. Das Management wollte sich dazu offiziell nicht äußern, was zu respektieren ist und Mutmaßungen sollen hier nicht angestellt werden. Für ein Fünf-Sterne-Hotel zum Zeitpunkt des Tests hat es durch seine Bescheidenheit bei gleichzeitig großartiger Leistung überzeugt, denn aus wenig viel Machen ist auch eine Kunst. Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit. Dass die Hunde königlich verwöhnt wurden, floss natürlich nicht mit in die Wertung ein, rundet aber das Bild eines Hauses ab, das Erwartungen übertreffen möchte. 

Ein Schlußwort zur Zimmerrate: Wer von seiner eigenen Leistung überzeugt ist, der sollte auch so mutig sein, den dafür angemessenen Preis zu fordern. Wer in der formal höchsten Leistungsklasse der Hotellerie bestehen möchte, ist darauf angewiesen, laufend zu investieren. Mit Preisen im Dunstbereich von Vier-Sterne-Hotels oder starken Budget-Marken wird es schwer, dieser Anforderung dauerhaft gerecht zu werden. 

Zusammenfassung des Tests

Wenn Sterne den Weg weisen

Grundsätzlich muss die Frage gestellt werden, ob nach hotelstars.eu klassifizierte Fünf-Sterne-Hotels das passende Pendant zu Budget sind. Denn die Sterne haben den Luxus ja nicht exklusiv gepachtet. Doch wie sonst, so die Gegenfrage, soll eine objektive Einordnung in die höchste Leistungsklasse der Hospitality erfolgen? Christin Neumann, Geschäftsführerin der DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH: „Wir stellen als einzige transparent und für jeden zugänglich dar, welche objektiven Kriterien für welche Hotelklasse zu erfüllen sind.“ Und dies ist zutreffend, denn andere Organisationen und Klassifizierungssysteme machen da ein großes Geheimnis daraus. Nur weil „Luxus“ draußen dransteht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch Leistungen über dem Durchschnitt geboten werden. In vielen dieser Fälle scheinen, neben der Erfüllung monetärer Voraussetzungen zur Teilhabe, denn hinter jedem Klassifizierungssystem steckt auch immer ein Geschäftsmodell, eher Aspekte wie Design, Atmosphäre und good vibes dafür verantwortlich, einem bestimmten Kreis von Hotels angehören zu dürfen. Das ist völlig legitim, aber eben nicht objektiv. Daher hier nun die guten alten Sterne, da weiß man, was man hat. Die Entwicklung der Sterne zeigt auch, dass die Branche weiß, was man daran hat. So ist zwar die absolute Zahl der klassifizierten Hotels seit Jahren rückläufig, das ist die Zahl der Hotelbetriebe aber auch, der Anteil der Hotels mit Fünf Sternen in den letzten 10 Jahren jedoch um 25% gestiegen. Und innerhalb dieser Klasse haben über 70% die ergänzende Auszeichnung „Superior“, welches nach außen wie innen seine Wirkung entfaltet. Zeèv Rosenberg, General Manager des SO/ Berlin Das Stue: „Das Prädikat Superior bleibt auch bei fünf Sternen ein wichtiges Signal. Es steht für den Anspruch, den Standard nicht nur zu halten, sondern kontinuierlich zu übertreffen.“ Und „Die höchste Klassifizierung gibt dem Team Rückenwind“.

Aber stellt der fünfte Stern ein hinreichend definiertes und klar abgegrenztes Feld dar, um Vergleiche anzustellen? Denn wer den Markt kennt, der kennt auch die Spannweite – oder nennen wir es Dehnungsweite? – des fünften Sternes. Zwischen einem Hotel Neptun in Rostock Warnemünde bis zu einem Breidenbacher Hof in Düsseldorf liegen weniger Welten, sondern eher Galaxien. Da reicht das Superior allein als Zusatz nicht, um diesen Abstand angemessen zum Ausdruck zu bringen. Denn das objektive Kriterium Erhaltungszustand, gleich als Nummer Zwei des Kataloges, ist da sehr eindeutig, wird aber augenscheinlich sehr weit interpretiert, wie auch noch andere Kriterien. Damit erweist man dem System keinen Gefallen. Das erklärt vielleicht aber auch, warum sich über 70% der Fünf-Sterne-Hotels in das Superior flüchten, so der Eindruck. Wer um die Breite an Angeboten im fünften Stern weiß, sucht so möglicherweise sein Heil im inoffiziellen sechsten Stern, der aber auf diese Weise auch eine Art Inflation erfährt. Daher wird auch von den Hotels selbst ein gewisser Reformbedarf gesehen, wie Cyrus Heydarian CEO und Managing Partner des Breidenbacher Hof in Düsseldorf bestätigt. So sieht er unter anderem eine Notwendigkeit der Emotionalisierung der Bewertung, denn: „Derzeit überwiegen messbare Standards. Doch Luxus beginnt da, wo das Messbare aufhört. Aspekte wie Gastgeberkultur, Persönlichkeit im Service oder Nachhaltigkeit mit Tiefgang müssten stärker einfließen.“ Weiter sieht er Bedarf im Sinne einer dynamische Nachbewertung: „Häuser entwickeln sich – positiv wie negativ. Ein statisches Prüfsiegel alle paar Jahre wird einem dynamischen Markt nicht gerecht.“ Die Sterne sind also nicht perfekt, aber die bislang bestmögliche Grundlage einer objektiven Vergleichbarkeit.