„Haben uns zu einem echten Hospitality-Unternehmen entwickelt“

„Haben uns zu einem echten Hospitality-Unternehmen entwickelt“

Thomas Danielczak ist Vice President Sales & Strategic Partnerships für Planet. Im Interview spricht er über die Integration von Protel und anderen Unternehmen unter dem Planet-Dach, den zunehmenden Shift von On-Premise- zu Cloud-Lösungen, Ziele und die weitere Entwicklung der Hotellerie.   

Herr Danielczak, seit der Integration in das Planet-Portfolio ist es um Protel ruhig geworden. Manche Branchenbeobachter meinen auch – zu ruhig. Welche sind die Hintergründe und wie ist der Stand der Dinge?  

Seit der Integration von Protel in das Planet-Portfolio hat sich viel getan, auch wenn es ruhiger geworden ist. Planet verfolgt eine klare Vision: umfassende Investitionen in Produktentwicklung, Technologie, Support und Service. Neben Protel wurden in den letzten Jahren Unternehmen wie 3C (Marktführer im Hospitality-Gateway Bereich), Hoist (globaler Netzwerk- und IPTV-Anbieter), Datatrans (E-Commerce-Unternehmen aus der Schweiz) und HotSoft (serverbasiertes PMS aus Irland) akquiriert. Ziel dieser Akquisitionen ist es, Hoteliers durch höhere Kosteneffizienz, verzahnte Prozesse und mehr Automatisierung einen echten Mehrwert zu bieten. Planet ist der einzige Full-Stack-Anbieter, der sowohl PMS- als auch Payment-Lösungen aus einer Hand liefert. Zudem investieren wir intensiv in den Bereich F&B und weitere Schnittstellen, um alles, was operativ relevant ist, in unser Ökosystem zu integrieren.

Was waren die Herausforderungen bei der Integration der verschiedenen Unternehmen? ‎

Als Planet die neuen Firmen zusammengeführt hat, funktionierte die Integration und die Nutzung von Synergien nicht sofort. Es hat ein bis zwei Jahre gedauert, bis wir technologisch auf einem Level und auch intern auf einer gemeinsamen Linie waren. Payment- und PMS-Mitarbeiter sprechen unterschiedliche Fachsprachen, haben verschiedene Mindsets. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Payment-Mitarbeiter nennen Kunden „Merchants“, wir nennen sie „Hoteliers“. Zudem mussten wir verstehen, dass die Hotellerie ein spezielles Business ist, in dem Probleme sofort gelöst werden müssen, weil sie direkte Auswirkungen auf den Gast haben.

Wie haben Sie die Situation gedreht, als Protel vom Markt „abgetaucht“ schien? ‎

Nach der Akquisition mussten wir zunächst einordnen und bewerten, wo die Stärken und Schwächen liegen und wie wir integrieren können. Wir haben intern viel in den Support investiert, haben an den Standorten Dortmund und Wien zahlreiche Mitarbeiter eingestellt, um die Qualität im Service zu erhöhen. Zudem entwickelten wir eine Strategie für On-Premise und Cloud-basierte Varianten. Seit 2024 haben wir einen siebenstelligen Betrag in die Entwicklung der Hotel-Cloud-Plattform investiert. Unsere Eigentümergesellschaft hat uns dafür rund 60 zusätzliche Entwickler zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig haben wir uns darauf geeinigt, dass das On-Premise-Business weiterentwickelt und nicht abgeschaltet wird.

Wo steht Protel jetzt auf dem Weg zurück in den Markt? 

Nach drei Jahren haben wir ein großes Verständnis für den Bedarf und die Bedürfnisse der Hotellerie geschaffen und unsere Roadmap angepasst. Wir investieren massiv in Cloud- als  auch weiter in On-Premise-Lösungen, haben verstanden, dass Hotellerie ein Business ist, das sofortige Lösungen braucht und unseren Support aufgestockt. Außerdem arbeiten wir an KI-Integration in Support-Prozesse und haben uns von einem reinen Payment-Unternehmen zu einem echten Hospitality-Unternehmen entwickelt.

Wie lange wird es dauern, bis Cloud-Lösungen am Ende wirklich dominieren? ‎

Die Pandemie hat dem Ganzen schon einen Schub verpasst, vor allem wegen der gestiegenen Kosten. Wir beobachten eine Abwanderung von Fachkräften, die sich vorher auf bestimmte Produkte konzentriert haben. On-Premise-Systeme sind komplex und individualisierbar, was sie für komplexe Hotelbereiche attraktiv macht. Aber durch den Mangel an Fachkräften brauchen Hotels zunehmend einfachere Systeme, die schnell erlernbar sind. Ich vermute, dass Cloud-Lösungen in den nächsten drei bis fünf Jahren exponentiell wachsen und die meisten Hotels in fünf Jahren nicht mehr mit On-Premise-Solutions arbeiten werden.

Wie heben Sie sich im Wettbewerbsumfeld von der Konkurrenz ab? ‎

Sowohl PMS als auch Payment werden von uns kontrolliert. Wir können diese Integration und Zusammenarbeit mit Fokus auf die Guest Experience tiefer integrieren als jeder andere Anbieter und sind der einzige Anbieter, der Payment und PMS aus einem Development heraus anbietet. Zudem haben wir über tausend Integrationen auf unserem Marketplace und werden nächstes Jahr noch mehr API Endpoints zur Verfügung stellen.

Welche Ziele verfolgen Sie? ‎

Wir haben viele Kunden im On-Premise-Geschäft, die in die Cloud wollen, aber aufgrund der Komplexität ihrer Operation kaum eine Möglichkeit haben. Unser USP ist, dass wir dezidierte Developer und ein Investment-Budget für Protel Cloud haben. Wir wollen den Funktionsumfang der On-Premise-Systeme bis Anfang 2027 in der Cloud erfassen, damit Kunden ohne Einschränkungen in die Cloud wechseln können.

Wo geht die Reise in der Hotellerie angesichts der wirtschaftlichen Situation hin? ‎

Franchise ist im Vormarsch. Viele privat geführte Hotels wechseln unter das Dach von Marken-Anbietern, bei denen der Fokus auf Digitalisierung und Automatisierung liegt, um stark steigende Kosten in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig gibt es weiterhin Hotellerie, die stark auf Individualität setzt, was mit höheren Kosten verbunden ist. Diese Kosten werden sich in den Preisen widerspiegeln. Leider wird der Otto-Normal-Bürger vermutlich nicht mehr in den Genuss dieser Art von umfassender Hotellerie mit Individualität kommen – es wird exklusiver und teurer.

Thomas Danielczak …

… ist VP Sales & Strategic Partnerships bei Planet und verantwortet weltweit die Technologie- und Vertriebspartnerschaften im Hospitality-Bereich. Der erfahrene Hotellerie-Experte und ausgebildete Hotelkaufmann verfügt über internationale Berufserfahrung in Deutschland, der Schweiz und Asien. Bevor er zu Planet kam, war er viele Jahre in der Distribution beim Hotelportal HRS tätig und leitete anschließend bei Shiji das europäische Vertriebsteam im Bereich PMS & POS.